Versicherungsnehmer in Deutschland zahlen jahrelang pflichtbewusst ihre Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Vertrauen darauf, im Ernstfall abgesichert zu sein. Leider kommt es nicht selten vor, dass Versicherungen im Leistungsfall eine Hinhaltetaktik anwenden und ihre Kunden in finanzielle und seelische Notlagen bringen.
Ein aktueller Fall aus unserer Kanzlei zeigt, wie entscheidend und wirkungsvoll ein konsequentes juristisches Vorgehen in einer solchen Situation sein kann. Wir konnten für unsere Mandantin nur wenige Tage nach Einreichung einer Klage ein vollumfängliches Leistungsanerkenntnis der ERGO Lebensversicherung AG erwirken.
Der Fall: Eine Existenz auf dem Spiel
Unsere Mandantin, eine selbstständige Einzelhändlerin aus Hessen, hatte jahrelang verantwortungsbewusst ihren Familienbetrieb geführt. Aufgrund einer schweren depressiven Episode war sie den hohen Anforderungen ihrer Tätigkeit, die eine Arbeitsbelastung von bis zu 11 Stunden täglich an fünf Tagen die Woche umfasste, nicht mehr gewachsen. Im Sommer 2023 musste sie ihre Arbeit vollständig einstellen.
Im Mai 2024 beantragte sie die Zahlung ihrer vertraglich vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente in Höhe von 1.000 € monatlich. Trotz umfassender medizinischer Unterlagen, unter anderem von dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg sowie einer Reha-Klinik, die ihre Berufsunfähigkeit eindeutig bestätigten, geschah nichts. Die Versicherung ließ Monate verstreichen, ohne eine Entscheidung zu treffen.
Unsere Vorgehensweise: Klare Forderungen und konsequentes Handeln
Angesichts der Untätigkeit der Versicherung und des wachsenden finanziellen Drucks für unsere Mandantin wurden wir mandatiert, ihre Ansprüche durchzusetzen. Als spezialisierte Kanzlei mit einem Fachanwalt für Versicherungsrecht forderten wir die Versicherung zunächst unter Fristsetzung im März 2025 zur Entscheidung auf. Nachdem auch diese Frist ohne ein zufriedenstellendes Ergebnis verstrichen war, reichten wir am 05.06.2025 eine fundierte Klage beim Landgericht Marburg ein.
Die Klage umfasste sämtliche Ansprüche der Mandantin:
Rückwirkende Rentenzahlung ab August 2023 in Höhe von 21.000 €.
Laufende zukünftige monatliche Rentenzahlungen.
Erstattung der seit Eintritt der Berufsunfähigkeit gezahlten Beiträge in Höhe von über 3.500 €.
Feststellung der zukünftigen Beitragsfreiheit.
Der Erfolg: Vollständiges Anerkenntnis nach langem Warten
Die Wirkung der Klage war unmittelbar. Mit Schreiben vom 12.06.2025 – nur eine Woche nach Einreichung der Klage – erkannte die Versicherung ihre Leistungspflicht vollumfänglich an. Sie erkannte den Leistungsfall rückwirkend zum 01.09.2023 an.
Dieser Erfolg bedeutet für unsere Mandantin, dass sie die ihr zustehenden, erheblichen Nachzahlungen erhält und ihre monatliche Rente für die Zukunft gesichert ist. So erhält sie die finanzielle Stabilität, die sie benötigt, um sich auf ihre Gesundheit konzentrieren zu können.
Fazit
Dieser Fall ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich das Kräfteverhältnis verschiebt, sobald ein Versicherungsnehmer spezialisierte anwaltliche Unterstützung in Anspruch nimmt. Eine Hinhaltetaktik des Versicherers bricht oft zusammen, wenn sie mit einer entschlossenen und professionell geführten Klage konfrontiert wird. Für Versicherungsnehmer bedeutet das: Lassen Sie sich von Verzögerungen nicht entmutigen. Mit dem richtigen juristischen Partner an Ihrer Seite können Sie Ihre Rechte erfolgreich durchsetzen.