PayPal im Krisenmodus: Datenleck und Zahlungspannen – Was Sie als Nutzer jetzt wissen und tun müssen

Erst die Meldung über ein riesiges Datenleck, dann massive Störungen bei Zahlungen. Die Verunsicherung unter PayPal-Nutzern ist groß. Wir erklären die Lage, zeigen, wie Sie sich schützen und wann Sie Ansprüche haben.

PayPal ist für Millionen Deutsche der Standard für schnelles und einfaches Online-Bezahlen. Doch in den letzten Tagen wurde das Vertrauen in den Dienstleister gleich doppelt erschüttert. Zuerst sorgte die Nachricht, dass Zugangsdaten von fast 16 Millionen Nutzern im Darknet aufgetaucht sein sollen, für Aufsehen. Kurz darauf kam es zu einem massiven technischen Ausfall, der dazu führte, dass unzählige Lastschriften und Zahlungen fehlschlugen.

Viele fragen sich nun: Ist mein Geld noch sicher? Was passiert mit meinen Daten? Und was muss ich tun, wenn eine meiner Zahlungen geplatzt ist? Hier finden Sie die Antworten und eine klare Anleitung, wie Sie jetzt am besten vorgehen.

 

 

Die zwei Probleme: Was genau ist passiert?

Es ist wichtig, die beiden Vorfälle zu unterscheiden, auch wenn sie zeitlich nah beieinander lagen:

  1. Das angebliche Datenleck: Berichten zufolge werden im Darknet große Mengen an PayPal-Zugangsdaten (E-Mail-Adressen und Passwörter) zum Verkauf angeboten. PayPal selbst hat bisher keinen neuen, direkten Hack der eigenen Systeme bestätigt. Experten vermuten daher, dass diese Daten von anderen Webseiten stammen, bei denen Nutzer die gleichen Passwörter wie bei PayPal verwendet haben (sog. "Credential Stuffing"). Das Risiko: Kriminelle könnten versuchen, sich mit diesen Daten in Ihr PayPal-Konto einzuloggen.

  2. Der technische Systemausfall: Ein internes Sicherheitssystem von PayPal, das betrügerische Zahlungen erkennen soll, ist Ende August ausgefallen. Daraufhin haben viele deutsche Banken (darunter Sparkassen und Volksbanken) zum Schutz ihrer Kunden vorsorglich unzählige PayPal-Abbuchungen blockiert. Die Folge für Sie: Ihre per Lastschrift geplante Zahlung für einen Online-Einkauf, Ihr Streaming-Abo oder Ihre Stromrechnung konnte fehlschlagen, obwohl Ihr Bankkonto gedeckt war.

 

 

Bin ich betroffen? 3 Schritte zur sofortigen Überprüfung und Absicherung

Auch wenn Sie bisher keine Probleme bemerkt haben, sollten Sie jetzt proaktiv handeln, um Ihr Konto und Ihre Daten zu schützen. Das dauert nur wenige Minuten.

  1. Schritt: Kontoaktivitäten prüfen Loggen Sie sich direkt auf der PayPal-Website (geben Sie die Adresse manuell ein, klicken Sie nicht auf Links aus E-Mails!) in Ihr Konto ein. Überprüfen Sie unter "Aktivitäten" alle jüngsten Transaktionen. Sehen Sie Zahlungen, die Sie nicht getätigt haben? Falls ja, melden Sie diese sofort über die Funktion "Problem melden" an PayPal.

  2. Schritt: Passwort ändern – aber richtig! Unabhängig davon, ob Sie verdächtige Aktivitäten feststellen oder nicht: Ändern Sie umgehend Ihr PayPal-Passwort. Verwenden Sie ein langes, komplexes Passwort, das Sie ausschließlich für PayPal nutzen. Eine Kombination aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen ist ideal.

  3. Schritt: Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren (WICHTIG!) Dies ist der wirksamste Schutz gegen unbefugte Zugriffe. Selbst wenn Kriminelle Ihr Passwort haben, können sie sich ohne den zweiten Faktor (meist ein Code auf Ihrem Handy) nicht einloggen. So aktivieren Sie 2FA:

Gehen Sie in Ihren PayPal-Kontoeinstellungen auf "Sicherheit".

Wählen Sie den Punkt "Zweistufige Verifizierung" oder "2-Step Verification".

Folgen Sie den Anweisungen, um die Funktion mit einer Authenticator-App oder per SMS einzurichten.

 

 

Ihre Rechte: Wann stehen Ihnen Schadensersatzansprüche zu?

Durch die Vorfälle können Ihnen konkrete Schäden entstanden sein, für die PayPal haften könnte.

Schaden durch fehlgeschlagene Zahlungen: Haben Sie eine Mahnung oder eine Mahngebühr von einem Händler oder Dienstleister (z.B. Ihrem Mobilfunkanbieter) erhalten, weil Ihre PayPal-Zahlung geplatzt ist? Diese Kosten sind ein direkter Schaden, der durch die Störung bei PayPal verursacht wurde. Sie können diesen Schaden von PayPal zurückfordern.

Schaden durch das Datenleck (DSGVO): Sollte sich herausstellen, dass PayPal seine Systeme nicht ausreichend geschützt hat und Ihre Daten deshalb in die falschen Hände geraten sind, könnten Ihnen Ansprüche auf immateriellen Schadensersatz nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zustehen. Der reine Kontrollverlust über die eigenen sensiblen Finanzdaten kann hier bereits als Schaden gewertet werden.

 

 

Was Sie tun sollten:

  1. Belege sammeln: Bewahren Sie alle Mahnungen, Rechnungen über Mahngebühren oder sonstige Mitteilungen auf, die im Zusammenhang mit einer fehlgeschlagenen Zahlung stehen.

  2. Kontakt mit Händler aufnehmen: Klären Sie den Händler über die Ursache der geplatzten Zahlung auf und bitten Sie um Stornierung der Mahngebühren unter Verweis auf die bekannte PayPal-Störung.

  3. Anwaltliche Beratung prüfen: Wenn Ihnen ein konkreter finanzieller Schaden entstanden ist oder Sie Sorge wegen Ihrer Daten haben, kann eine anwaltliche Erstberatung sinnvoll sein. Ein Anwalt kann prüfen, ob sich die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen in Ihrem Fall lohnt.

 

Lassen Sie sich durch die aktuellen Ereignisse nicht verunsichern, aber handeln Sie jetzt. Die Absicherung Ihres Kontos hat oberste Priorität. Wenn Ihnen bereits ein finanzieller Nachteil entstanden ist, müssen Sie die Kosten nicht selbst tragen.

Sind Sie von den PayPal-Problemen betroffen und haben eine Mahnung erhalten oder Sorgen um die Sicherheit Ihrer Daten? Wir bieten eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung an, um Ihre Rechte zu prüfen und Ihnen Ihre Möglichkeiten aufzuzeigen.